Medikamente gegen vorzeitige Ejakulation

Medizin gegen Ejaculatio praecox -
Medikamentöse Therapie und Medikamente gegen vorzeitige Ejakulation
 

Gibt es ein Medikament zur Behandlung von Ejaculatio praecox? Die aktuelle Forschung zur medikamentösen oder eventuell gar klinischen Therapie von Ejaculatio praecox läuft nun, nachdem Impotenz erfolgreich behandelbar ist, mit Hochdruck und hat inzwischen erste sichtbare Erfolge.
Zwei Arten von Wirkstoffen werden heute zur Behandlung von Ejaculatio praecox eingesetzt und sollen neben den Ratgeber-Büchern gegen Ejaculatio praecox erklärt werden. Es handelt sich hierbei aktuell um

Psychopharmaka mit Ejaculatio praecox verzögernden Nebenwirkung
Örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhesetika) zur Reizminderung
 

Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer zur Therapie von Ejaculatio praecox

Einige zur Therapie von schweren Depressionen entwickelten Psychopharmaka, insbesondere die selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) haben  als Nebenwirkung beim Sex eine den Höhepunkt verzögernde Wirkung. Aber auch Arzneimittel und Medikamente wie “Alpha- oder Betablocker” (Phenoxybenzamin) und die “PDE 5 - Hemmer” gegen Impotenz wie z.B. Viagra® oder Levitra® wurden und werden noch vereinzelt für die Behandlung von Ejaculatio praecox genutzt.

 

 

Serotonin ist ein Botenstoff im Zentralnervensystem. Einfach ausgedrückt ist er mit dafür verantwortlich, wie glücklich oder unglücklich man sich fühlt. Er wird daher landläufig auch als “Glückshormon” bezeichnet und steht im Zentrum der Forschung zur Behandlung von ejaculatio praecox.
Das macht diesen Stoff natürlich sehr interessant für die Behandlung von schweren Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen, bei denen eine aufhellende Wirkung sehr gewünscht ist. Besonders intensiv geforscht wird bei den sogenannten “selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer” (SSRI), aber auch z.B. bei trizyklischen Antidepressiva, die im Grunde folgendermaßen wirken: Durch den verhinderten/blockierten Abbau von Serotonin verbleibt mehr von diesem Glückshormon im synaptischen Spalt der Nerven. Der Serotonin-Spiegel bleibt also erhöht, was dann zum beschriebenen Glücksgefühl beim Patienten führt und anscheinend auch gut für eine Ejakulationsverzögerung ist...

Positives Ergebnis: Nachgewiesen sind (je nach Dosierung und Medikament) Verzögerungen von knapp fünf Minuten, wenn man den Durchschnitt über alle Expertenstudien bildet. Insbesondere zu Beginn der Therapie einer sehr hartnäckigen Ejaculatio praecox kann die Medikamentengabe zu einem motivierenden Anfangserfolg führen, der weitere Erfolge in der konventionellen Therapie gegen vorzeitigen Samenerguss ermöglicht bzw. erleichtert.

Wohlgemerkt: Ejaculatio praecox wird hier durch das gezielte Ausnutzen einer Nebenwirkung dieser Psychopharmaka für wenige Minuten unterdrückt! Deswegen darf diese selbstverständlich verschreibungspflichtige Medizin nur unter ärztlicher Aufsicht und nicht in Eigentherapie angewendet
werden. Keinesfalls sollten nachgemachte Billig-Medikamente ungewisser Herkunft als rezeptfreier Ersatz verwendet werden, nur, um einen vielleicht peinlichen Arztbesuch zu vermeiden. Die unten genannten Medikamente kaufen Sie daher am sichersten in einer seriösen Apotheke im Internet oder in Ihrer Stadt und nicht beim windigen Billiganbieter ohne Impressum auf seinen Internetseiten! Achtung auch vor Marktschreiern, die behaupten, nur Ihre Pille gegen Ejaculatio praecox sei wirksam, und alle anderen Methoden würden nichts taugen - hier stehen sicher kommerzielle Interessen im Vordergrund!

Weitere Nachteile im Rahmen der Therapie einer Ejaculatio praecox sind bei diesen Medikamenten momentan noch vorhanden, werden jedoch womöglich mit einer neuen Wirkstoff-Generation in den nächsten Jahren beseitigt:
- Die Medikamente müssen mehrere Stunden(!) vor dem erwarteten Sex eingenommen werden,
- sie sind teuer und
- sie können weitere Nebenwirkungen wie z.B. Kopfschmerz, Übelkeit, Durchfall, Schwindel und gänzliches Verschwinden der Libido haben,
- Wechselwirkungen mit den ebenfalls zur Depressionsbehandlung eingesetzten MAO-Hemmern bestehen (Abstand: mindestens zwei Wochen!),
- von der eigentlichen Wirkung des Medikamentes auf die Psyche einmal ganz abgesehen.

Besonderes Gewicht hat auch das Argument, dass dem betroffene Mann durch das Medikament alleine kein freies und selbstbestimmtes Sexualleben ermöglicht wird, sondern nur ein “Funktionieren” in Abhängigkeit von einem Wirkstoff im Medikament. Dieses Funktionieren ohne Ejaculatio praecox stellt einen nicht unerheblichen Eingriff in die Partnerschaft dar, der therapeutisch begleitet werden sollte, um keine sog. Symptomverschiebung auf andere sexuelle Funktionsstörungen zu produzieren, siehe dazu auch die Literatur zu ejaculatio praecox..
Auf jeden Fall muss sich das Paar (und nicht nur der Mann) an die neue Sexualfunktion gewöhnen. Dies hat sich bereits in der medikamentösen Impotenz-Behandlung gezeigt: Durch das plötzliche und immerwährende Funktionieren des Mannes beim Geschlechtsverkehr können andere partnerschaftliche Probleme ans Tageslicht kommen, die bis dato durch die funktionale Sexualstörung kaschiert waren. Es entfällt damit zwar die Ausrede “ohne Impotenz hätte ich eine glückliche Beziehung”, eine echte Lösung für die Partnerschaft und eventuelle tiefer liegende Konflikte muss aber trotzdem noch erarbeitet werden. Sonst entsteht eine Symptomverschiebung, weg von der Impotenz, hinzu einer anderen sexuellen Störung.

Fazit: Ejaculatio praecox wird nur selten allein aufgrund der medikamentösen Behandlung geheilt. Das Problem des vorzeitigen Samenerguss’ tritt zumeist nach Absetzen der Medizin wieder auf. Eine positive Grundstimmung für einen Erst-Erfolg zum Durchbrechen des Teufelskreises der vorzeitigen Ejakulation lässt sich aber in manchem Fall wie schon beschrieben erzeugen und ist durchaus sinnvoll.
Eine echte Alternative zu den sexualtherapeutischen Hilfen bei Ejaculatio praecox wird sich vielleicht zukünftig ergeben, ist aktuell aufgrund der langen Vorlaufzeiten und der häufigen Nebenwirkungen noch nicht gegeben. Demnächst können wir hierzu vielleicht mehr berichten.

Die wichtigsten und gebräuchlichsten Wirkstoffe und Mittel in der Behandlung einer Ejaculatio praecox sind:

- Dapoxetin (z.B. Priligy ®), SSRI zur Behandlung von Ejaculatio praecox

Priligy ist das erste Medikament mit Zulassung zur bedarfsorientierten Behandlung von Ejaculatio praecox für Männer zwischen 18 und 64 Jahren. Es benötigt eine deutlich kürzerer Vorlaufzeit (aber immer noch ein bis drei Stunden!) und weist geringere (aber immer noch häufige!) Nebenwirkungen als die weiter unten stehenden SSRIs auf. In einer Studie wurde bei Hochdosierung (60 mg) eine durchschnittliche Dauer des Geschlechtsverkehrs von gut  3:22 Min ermittelt, die 30-mg-Dosis führte zu einer durchschnittlichen Dauer von etwa 2:50 Min beim Sex. Der Preis beträgt etwa 11,00 EUR pro Tablette.

Seit Priligy am Markt ist, werden die weiter unten genannten unspezifischeren SSRI deutlich weniger eingesetzt und stattdessen auf den Priligy - Wirkstoff Dapoxetin vertraut. Die Stiftung Warentest gibt zu bedenken: “Priligy ist mit Einschränkungen geeignet bei einem hohen Leidensdruck. Die therapeutische Wirksamkeit und Verträglichkeit sind nicht ausreichend untersucht.” (test 09/2009, S. 87).

- Paroxetin (Seroxat ®), SSRI zur Behandlung von Ängsten, Zwangsstörungen und Depressionen

Paroxetin ist ein weiterer selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, der zu einer Erhöhung der Konzentration von Serotonin im Zentralnervensystem führt und des öfteren als Medikament gegen vorzeitige Ejakulation genutzt wird bzw. wurde.

- Sertralin (Zoloft ®, Gladem ® ...), SSRI zur Therapie von Depressionen

Sertralin ist ein Selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, der zu einer Erhöhung der Konzentration von Serotonin im Zentralnervensystem führt.

- Fluoxetin (Fluctin ®, Prozac ® ...), SSRI zur Therapie von Depressionen

Wie das obige Sertralin hemmt das Medikament die Aufnahme von Serotonin an speziellen Serotonin-Rezeptoren des zentralen Nervensystems. In sehr hohen Dosen verabreicht, kann auch die Noradrenalin-Wiederaufnahme gehemmt werden. Der Wirkstoff  verbleibt dabei relativ lange im Körper, was vor allem im Wechselspiel mit anderen Medikamenten zu berücksichtigen ist, und daher auch bei der medikamentösen Behandlung von Ejaculatio praecox berücksichtigt werden muss.

- Clomipramin (Anafranil ®), trizyklisches Antidepressivum

Anders als die SSRI haben wir es hier mit einem Betablocker zu tun, der ebenfalls auf das zentrale Nervensystem wirkt, inzwischen aber nur noch vereinzelt zur Therapie von Ejaculatio praecox eingesetzt wird.

 

Eine ausführliche Darstellung der komplexen Serotonin-Aufnahme finden Sie z.B. bei Wikipedia - wo allerdings nicht auf die sehr speziellen Zusammenhänge mit Ejaculatio praecox eingegangen werden kann.


 

Lokalanästhetika gegen Ejaculatio praecox / vorzeitiger Samenerguss

Betäubende Sprays, Salben und Spezialkondome wurden bereits weiter vorne vorgestellt. Die Ejaculatio praecox kann bei manchen Männern so bis zu acht Minuten lang verhindert werden.
Nicht immer sind die betäubenden Wirkstoffe jedoch erfolgreich: Sexuelle Reize, die über das Gehirn (z.B. über Augen, Ohren usw...) an das spinale Ejakulationszentrum geleitet werden (und nicht über die Berührung der Genitalien), führen nämlich weiterhin zu einem verstärkten Ejakulationsdrang und lassen sich so nicht betäuben.
Ein Beispiel: Die Erregung beim Mann, die sich durch das laute Stöhnen der Partnerin aufbaut, lässt sich nicht über eine Betäubungssalbe vermindern, sondern nur durch Ohrenstöpsel. In anderen Fällen wäre Mundschutz, eine Augenbinde und eine dicker Taucheranzug notwendig... Um den Sex wahrhaft zu genießen sind daher die hier ebenfalls beschriebenen sexualtherapeutischen Übungen gegen vorzeitigen Samenerguss besser geeignet.

Im Einsatz sind aktuell folgende Wirkstoffe:

- Prilocain (Salben, Sprays)
- Benzocain (Kondome) und insbesondere
- Lidocain (Sprays, Salben und Kondome).

Andere Betäubungsmittel und Medikamente, die eigentlich für die Schleimhäute im Mund/Rachenraum gedacht sind um Halsweh u.ä. zu mindern, enthalten oft ebenfalls Lidocain und werden daher gerne als “Ersatzbetäubung” eingesetzt. Die weitgehend rezeptfreien Mittel lassen sich nämlich unverfänglicher in der Apotheke besorgen als die explizit gegen die vorzeitige Ejakulation entwickelten Präparate.

Fazit: Ein reines “Funktionieren” können diese Medikamente nach einer Einwirkzeit von 10 bis 20 Minuten und unter den oben genannten Einschränkungen ermöglichen. Grundsätzlich ist jedoch darauf zu achten, dass die Cremes, Sprays und Salben kondomverträglich sind. Nur so bleibt die Verhütungswirkung des Kondoms unverändert sichergestellt.
Zur Behandlung von Ejaculatio praecox ist auch zu beachten, dass sich das Betäubungsmittel nicht auf die Partnerin überträgt, um einen längeren, aber beiderseitig gefühllosen Akt zu vermeiden.
Inwieweit der Geschlechtsverkehr (frei von Ejaculatio praecox, dafür aber unter lokaler Betäubung) auch Freude macht, sei dahingestellt.

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